Die Architektur legt einfach fest, 

was für Nutzer behaglich ist

Diese normative Voreingenommenheit schlägt sich dann in Baurichtlinien nieder. Das hat etwas von selbsterfüllender Prophezeiung.

Prof. Bernd Wegener

» Könnten Sie sich vorstellen, dass es am einen Ende der Skala fundamentalere, tiefer sitzende Wohlgefühle gibt und am anderen Ende oberflächliche?

Ich halte es für möglich, dass es sowohl dauerhafte primäre Einstellungen gibt als auch stärker sekundäre, die sich mit den jeweiligen Randbedingungen ändern.

Vergleichbar der Gerechtigkeitswahrnehmung, wie wir sie aus der Ideologien Forschung kennen. Gibt es einen Kanon fürs Wohn-Wohlgefühl? Wohnen im Grünen, sozial eingebettetes Wohnen …

Das untersuchen wir weniger, das ist eher etwas für die Housing-Preferences-Forschung: nach welchen Kriterien die Leute sich ihre Wohnungen oder Häuser aussuchen, wie man marketingmäßig eine Korrespondenz zwischen Gebäude-und Käufertypen herstellt. Uns interessiert nicht, welche Wahl Leute treffen, sondern die Reflexion, wie sie sich dann in ihrer Wohnwelt fühlen.

Theoretisch müssten in Südeuropa andere Wohlfühlraster gelten als in der norddeutschen Tiefebene. Ist das so? Das müsste man empirisch untersuchen. Hat das Wohlgefühl denn Strukturen, Regeln?

Die Rekonstruktion der Mehrdimensionalität ist die Struktur. Eine andere Frage ist, ob sich für das Housing-Well-being Regelmäßigkeiten aus empirischen Generalisierungen formulieren lassen. Dafür sind zwei Varianten denkbar. Man kann Housing-Well-being als abhängige Variable einerseits bezüglich soziodemografischer

Merkmale -Bildung, Berufsstatus, Einkommen, Kinderzahl et cetera -und andererseits für Ge-bäudeeigenschaften betrachten.

Anspruchsvoller wäre der Versuch, übergeordnete Denkstile im Sinne der Cultural Theory zu definieren, zu operationalisieren und daraus die vorgefundene Housing-Well-being-Struktur abzuleiten. Eine kulturtheoretische Perspektive, die sich besonders gut auch für internationale Vergleiche empfehlen würde.

Wenn Sie den Blick mal auf den vor Ihnen liegenden Weg richten, dann…

… würde mich nicht nur die einzelne Wohnung, das einzelne Haus interessieren, sondern das Quartier. Dass Leute künftig im Quartier beispielsweise die von ihren Häusern erzeugte Energie teilen, ist ein Aspekt sozialen Austauschs.


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