Eine Liebeserklärung

Das Wunder von Holz

Das Gesicht des Holzes

Je mehr du dem Holz sein Gesicht lässt, dich über seine Unebenheit, über seine Landkarte aus Maserung und Ästen freust, desto mehr wird deinem Blick Halt, Orientierung und Geborgenheit gegeben.

Holz ohne Äste ist für Purholzhaus immer weniger wert, immer ein Stück ärmer als diese Hölzer, die uns durch ihre Äste ansehen. Gerade die kleinen, harztränenden Öffnungen, die sogenannten Harzgallen sind es, die von der Einzigartigkeit des Materials Zeugnis ablegen.

Es sind die Unregelmäßigkeiten, die Risse und Fugen, die aus Hölzern Welten machen. Sie bilden Lebensräume mit Orten des Schutzes und kühnen Aussichtsplätzen. Je mehr wir den Mut haben, hier auch noch die Arbeit des Zimmermanns zu zeigen, die Holzverbindungen, die Dübel, die alles zusammenhalten, die Spuren einer Säge, des gestaltenden Werkzeuges, desto näher sind wir an den Formen, Farben und Strukturen, die das Geheimnis des Lebens berühren.

Dem Holz sein Gesicht zu lassen, erfordert Mut: Mut zur unbehandelten Oberfläche. Mut zu den Spuren des Alterns, die sich einstellen werden. Mut zu dieser Melodie, die unser vordergründiges Ego erschüttert. Das Ego, das sich in uns als Ich ausgibt, in Wahrheit aber einzig an fremden Bildern und Vorstellungen hängt: Erst dahinter sind wir selbst. Erst dahinter sind wir ewig. Erst dahinter hören und fühlen wir, was wirklich ist. An diese tiefe Heimat in uns selbst er-. innert das gewachsene Material der Wälder. Das Gesicht des Holzes wird durch das Leben in den Bäumen gemalt. Es ist frei von jeder Manipulation, vom Drängen und Wollen. Es ist ein Bericht ihres Lebens. Ein Bild von Glück und Gedeihen, aber auch von Kampf, Leid und Krankheit. Es ist das Bild vom Geheimnis, all das zu überstehen, daran zu wachsen und seine eigene Gestalt daraus zu formen. Auf diese Weise, stimmt es die einzigartige Melodie an, die uns, zu uns selbst führt. Ein größeres Geschenk kann ein Material uns Menschen gar nicht machen. Es schwingt so tief in uns hinein, das Holz der Bäume.

Holz streichen, verkleiden, astfrei sortieren, natürliche Risse und Sehwindfugen verstecken, dübelfreie Oberflächen erzeugen, all das entspringt der Angst, den Bildern aus der Werbung nicht gerecht zu werden.

Scheinbar perfekt lackierte Oberflächen, weißer als weiß, eintönig statt vielfältig, diese Wege haben mit dem Geheimnis des Lebens wenig zu tun. In Wahrheit sind solche Verarbeitungen von Holz Schritte, die uns ein Stück vom Zauber des Baumes nehmen.

Die Lebenskraft des Holzes, die uns geschenkt wird, schwindet in dem Maß, in dem wir es eintöniger und lebloser gestalten. Mut zum Gesicht des Holzes ist immer Mut zum Leben. Mut zum Leben trägt uns, gibt uns Vertrauen und Freiheit. Ja, es sind Landkarten des Lebens, die durch die Schichtenlinien der Jahresringe auf den Hölzern dieser Welt abgebildet sind.

Es sind Bilder, die so stark an unserer Seele rühren können, weil sie so viel mit dem zu tun haben, was wir von Kind an nicht nur an Bäumen beobachten konnten. Körperliche Vergänglichkeit, das Altern, das hat uns schon von klein auf fasziniert: die herausquellenden Adern auf der Hand des Großvaters, die Bilder der furchig-ledrigen Haut, Farbspiele und Muster, die mit den Farben bewitterter Hölzer ineinanderfließen können.

Ja, es ist ein besonderes Bild vom rohen, wahrhaftigen Holz.

Es lässt uns spüren, wie gut es ist, einfach zu sein, was wir sind. Es lässt die Hast unserer Gedanken still werden. Aus sinnlosem Immer-mehr-, Immer-etwas-anderes-Wollen wird ein freudiges Sich-selbst-Spüren. Es hilft uns, die Qual aller Zwänge und Vorstellungen abzuschütteln.

Es befreit uns!

So wichtig ist es, so nährend für uns Menschen, von solchen Bildern umgeben zu sein. Das natürliche Gesicht des Holzes singt das Lied vom Urvertrauen ins Leben, vom Kommen, vom Gehen und von der Wiederkehr. Was für ein Glück, von Bäumen, ihren Hölzern und ihrem Gesicht begleitet zu werden.

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